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Alles, außer gewöhnlich

Jeden Tag ein bisschen besser zu werden, reicht heute gerade mal für einen Stehplatz beim Spiel um den globalen Wettbewerb. Mit diesen Worten wollen uns Anja Förster und Peter Kreuz aufscheuchen, provozieren und ermuntern, nach unserer eigenen Einzigartigkeit zu suchen.

buch

In ihrem gerade bei Econ erschienen Buch „Alles, außer gewöhnlich“ gelingt Ihnen das auf eine erfrischende Art und Weise. Dass mir das Buch gefallen würde, war schon klar, nachdem ich anstelle der Widmung ein Zitat von Steve Jobs entdeckt habe: „Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit damit, dass Sie das Leben eines anderen leben.“

Der Schreibstil ist locker und ermunternd. Oft ähnelt er mehr einem Vortrag als einem typischen Fachbuchtext. Gewürzt mit vielen Beispielen aus der Praxis. Kein Wunder, lese ich doch gerade in dem aktuellen Newsletter der beiden Autoren , dass sie eine Dramaturgin vom Theater zu Rate gezogen haben, um eben kein langweiliges weiteres Wirtschaftsbuch zu schreiben. Querdenken – selber angewendet!

„Unternehmen müssen ihre Erfolge vergessen. Business ist ein langer Film mit vielen Höhen und Tiefen.“ Die Spielregen in immer mehr Branchen werden ständig neu erfunden. Höchste Zeit also nicht nur für Unternehmer sich neu zu orientieren. Dabei warnen Förster und Kreuz davor, vorhandene Produkte nicht einfach immer weiter zu verbessern, sondern lieber komplett neu zu erfinden – sonst leidet man sehr schnell unter dem „Gilette Acht-Klingen-Syndrom“ und folgern: „Die Rasur mit einem Samurai-Schwert dürfte dann praktischer sein.

Wie schnell es gehen kann, wenn Branchenneulinge einen Markt aufrollen, wird z.B. deutlich gemacht am Beispiel von iTunes, mit diesem Angebot hat Apple „mal eben die komplette Musikindustrie aufgemischt“.
Ein weiteres Beispiel ist Google, die ja bekanntlich ihren Mitarbeiten ca. 20 % der Zeit zum Lernen und Nachdenken über neue Möglichkeiten geben und 10 % für „far-out-ideas“. Was dabei rauskommen kann – nun, z.B. so etwas wie Google Earth!

Sehr gut gefällt mir auch die Meinung der Autoren zu den Anreizsystemen für betriebliche Vorschläge: „Schaffen Sie die Belohnungen ab! Ihre Mitarbeiter sind keine Seehunde. Innovationen lassen sich weder befehlen noch kaufen.“

Der Warnung vor dem Benchmarking innerhalb der eigenen Branche erinnert mich an einen Vortrag, den ich vor etwa 10 Jahren zu diesem Thema gehalten habe. Ich schlug damals vor, sich die Benchmarking-Partner nicht in der eigenen Branche sondern in einem ganz anderen Umfeld zu suchen. Warum die Leistungsfähigkeit der eigenen Mitarbeiter nicht einmal mit den Stars auf der Theaterbühne vergleichen. Diese müssen jeden Abend auf die Minute genau Höchstleistungen bringen. Sehr interessant fand ich auch die Erläuterungen zum Cirque du Soleil. Dass der Zirkus sehr erfolgreich ist, wußte ich, dass er aber seine Shows gleich von mehreren Ensembles einstudieren und an verschiedenen Orten in der Welt aufführen läßt, ist mir neu.

Tja, und wo bekommen Sie jetzt die ganzen guten Mitarbeiter her? Gute Frage. Auch hier könnte der eine oder andere Rat von Anja und Peter helfen. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, bei Langweilern will keiner arbeiten. Wie sieht es also bei Ihnen im Unternehmen aus?

Emotionen im Business? Hier ein kleines Zitat aus der Welt der Hochfinanz:

„Nachdem die Begrüßungsformalitäten erledigt waren, stellte uns der Bankvorstand seinen Kollegen vor. Mann war das ein aufregender Typ! Eine Frisur, bei der kein Haar aus der Reihe tanzt – vermutlich konnte er jedes einzelne durch seinen Willen kontrollieren. Dreiteiliger Anzug, mausgrau. Auch seine Kollegen hielten sich perfekt an die herrschende Doktrin der Anzugfarben: mausgrau, steingrau, fahlgrau, aschgrau.“

Köstlich zu lesen. Wie froh bin ich, dass ich aus der Branche früh genug ausgestiegen bin.

Die entscheidende Wertschöpfung in der Zukunft? „Die besten Unternehmen sind heute Partner bei der Umsetzung von Lebensentwürfen.“ Wieder meine volle Zustimmung. Ich habe in meinen Seminaren viele Steuerberater kennen gelernt. Wer ist mir am stärksten in Erinnerung geblieben. Reinhard Stemmer aus Karlsruhe. Er sagte mir damals, seine Mission wäre, seinen Kunden bei der Erfüllung ihrer eigenen Vision zu unterstützen. Kein Wunder, dass seine Praxis seit Jahren brummt.

Die Vorschläge für die Führungskräfte im zweiten Kapitel des Buches sind nicht immer neu, aber trotzdem immer noch richtig und vielleicht sogar heute wichtiger denn je. Zu diesen Vorschlägen gehören z.B.:

  • „Stellen Sie niemanden ein, dessen Lebenslauf keine Brüche aufweist.
  • Suchen Sie bewusst Mitarbeiter, die a n d e r s sind als Sie.
  • Helfen Sie Ihren Mitarbeitern dabei, ihre Inspirationen zu verwirklichen.
  • Geldverdienen allein reicht als Beweggrund nicht aus.
  • Statussymbole und Befugnisse auf den Müllplatz.
  • Befähiger statt Besserkönner.
  • Arbeit ist Vergnügen“

Dem brauche ich wohl hier auf dem Job&Joy Blog nichts hinzuzusetzen!

Im dritten und letzten Kapitel wird die Notwendigkeit beschrieben, vom Arbeitsplatzhalter zum Wertlieferanten zu werden. Auch diese Forderung wird unterstrichen mit Beispielen, Anekdoten und interessanten Geschichten. Während man früher einen Job fürs Leben hatte, hat man heute ein Leben voller Jobs. Umso wichtiger, dass diese Jobs dann Spaß machen und mit Leidenschaft ausgefüllt werden können. Dazu passend gibt es zum Schluss des Buches den Text der Rede von Steve Jobs, die dieser zu einer Abschlussfeier an der Stanford University gehalten hat. Wer Lust hat, sich diese Rede auf dem Video anzusehen, Ihr findet Sie hier auf dem Blog.

Mein Fazit: Eine klare Kaufempfehlung. Vorausgesetzt, Ihr lest das Buch nicht nur, sondern setzt die Ideen, die Euch dabei kommen auch tatsächlich um. Dann kommt Ihr sicherlich einen großen Schritt voran, bei der Verwirklichung Eurer Träume und der Eurer Kunden.

PS: Dass Anja und Peter auch bei der Vermarktung Ihres eigenen Buches querdenken können, zeigt sich in Ihrer Aktion 40 Gigs in 40 Tagen. Wer einen der beiden zu einem Vortrag buchen möchte, kann dies tun, für die Reisekosten und für die Übernahme von 200 Büchern. Die könnte er (oder sie) dann an die Teilnehmer verschenken, verlosen oder was auch immer. Auf jeden Fall eine interessante Möglichkeit sich und seine Kunden von ihnen persönlich inspirieren zu lassen.

[tags]Ideen, Querdenken, Arbeit und Freude[/tags]
Jörg Weisner
 

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