1

Love it, change it or leave it! Rezension des Buches „Job&Joy“

Love it and change it – or leave it

Rezension von changeX

Jörg Weisner legt einen leisen Wegweiser zur Zufriedenheit vor.

Von Heike Littger

Trainer Jörg Weisner stellt seine Leser vor die schwierigste Aufgabe, die es zu bewältigen gibt: Sei glücklich, nimm dich ernst. Ein kleines, leises Buch. Sein Ziel: Zufriedenheit.

Das Leben ist fad, die Arbeit nervt, der nächste Urlaub liegt in weiter Ferne. Ist die Lebenslust so weit gesunken, klingeln die Alarmglocken. Rat erhofft man sich vom Partner, von Freunden – oder von Buchautoren. Die großen Verlage werfen jedes Jahr Dutzende an Ratgebern auf den Markt. Den Überblick haben die Buchhändler längst verloren. Zu viel wurde in den letzten Jahren geschrieben. Aber ist das so schlimm? Steht in den Büchern nicht immer das Gleiche? Schreibt nicht jeder über Komfortzone, Eigen-Verantwortung, Entscheidungsfreiheit und Ich-Aktie? Im Prinzip ja. Nur: Der Unterschied liegt im Wie. Wie erreiche ich mein Ziel? Wie kann ich Arbeit und Privatleben miteinander verbinden? Wie überwinde ich mein Phlegma? Durch Disziplin oder Nachsicht? Durch Verhaltenstraining oder Regelverbot? Hierin sind sich die Autoren uneinig – und ihre Ratschläge so unterschiedlich wie die Experten selbst.

Sei glücklich. Nimm dich ernst.

Zwischen Bodo Schäfer, Stephen Covey, Tom Peters und Mihaly Czikszentmihalyi reiht sich nun ein neuer Lebensberater ein: Jörg Weisner. Sein Buch Job & Joy – die Formel für mehr Spaß in Beruf und Privatleben ist gerade im Econ Verlag erschienen. Das erste, was auffällt: Das Buch ist klein. Klein genug, um es sich in die Tasche zu stecken. Immer mal wieder darin zu blättern, Passagen nachzulesen, sich zu erinnern. Doch Job & Joy ist nicht nur ein kleines Buch. Es ist auch ein leises Buch. Keine Versprechungen, keine Sticheleien. Der norddeutsche Trainer bohrt nicht in Wunden, hält keinen Spiegel vor, macht sich nicht lustig. Sein Konzept klingt auf den ersten Blick banal – doch im Grunde stellt Weisner seine Leser vor die schwierigste Aufgabe, die es zu bewältigen gibt: Sei glücklich. Nimm dich ernst. Dafür braucht es keine Checkboxen, keine Fragebögen, kein Verhaltenstraining und keine spektakulären Fallbeispiele.

Von der Ware Luxus zum wahren Luxus.

Wer zufrieden sein will, so Weisner, muss sich zuallererst mit sich selbst beschäftigen. Nicht mit seinem Partner, nicht mit seiner Umwelt und nicht mit seinem Chef. Wer immer nur den anderen gefallen will, vergewaltigt sich auf Dauer selbst. Der Mensch ist kein Schauspieler, sondern ein einzigartiges Individuum auf der Suche nach Glück.
Weisner ist optimistisch. Er schließt sich Hans-Magnus Enzensberger an: Langsam findet ein Umdenken statt. Von der Ware Luxus zum wahren Luxus. Vom Champagner, Nerzmantel und schicken Auto zu Gesundheit, Freude und Ausgeglichenheit. Doch Weisner weiß auch: Die Betonung liegt auf langsam. Glaubt man aktuellen Studien, so quält sich die Hälfte der Arbeitnehmer jeden Morgen aus dem Bett, schleppt sich ins Büro und stellt sich regelmäßig die Sinnfrage. Für den Autor eine enorme Verschwendung, die sich kein Unternehmen leisten kann. So ergab eine Studie seiner Trainerkollegen Tom DeMarco und Timothy Lister, dass glückliche Arbeitnehmer zehnmal schneller arbeiten als ihre frustrierten Kollegen.

Keine Eheberatung und kein Fitness-Check.

Weisners Buch wird voraussichtlich kein Renner. Fragt man die Verlage nach ihren erfolgreichsten Titeln, dann wird klar: Menschen wollen Anweisungen, Regeln, mitunter Befehle. Montag und Donnerstag Fitness, freitags eine kleine Überraschung für den Freund, am Wochenende Märchenstunde für die Kinder und – um in der Balance zu bleiben – jeden Morgen zehn Minuten Meditation. Damit kann Weisner nicht dienen. Er zwingt den Leser zu einer Standortbestimmung – und zu einer Vision. Wo stehe ich und wo will ich hin. Was ist aus meinen Träumen geworden? Warum habe ich sie begraben und nicht für sie gekämpft?
Nervig: der mitunter betuliche, esoterisch anmutende Ton. „Lass deine Augen leuchten“ – des Autors Eso-Leitspruch steht auf fast jeder Seite. Doch am nächsten Tag greift man wieder zu dem Buch, liest noch mal das Kapitel über Verantwortung oder Mut. Sucht nach einem Zitat. Fahndet nach seinen Freiheitsräubern. Der Zug Job & Joy kommt in Bewegung. Langsam, sehr langsam. Aber vielleicht der sicherste Weg, das Ziel im Laufe seines Lebens doch noch zu erreichen.

Heike Littger arbeitet als Redakteurin bei changeX.

Jörg Weisner:
Job & Joy. Die Formel für mehr Spaß in Beruf und Privatleben,
Econ Verlag, München 2001,
152 Seiten, 29,34 Mark,
ISBN 3-430-19554-3

© changeX Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.